Welche Pflanzen trotzen den Stürmen im Norden und sehen danach - und überhaupt - schön aus? Seit Jahren probiere ich vor allem in meinem eigenen "Garten am Meer", der in einer Extremlage direkt an der Nordsee liegt, verschiedenen Pflanzen aus. Sie müssen Starkregen, Trockenheit und vor allem die norddeutschen Sturm- und Orkanstärken aushalten. Dabei sollen sie natürlich nicht nur "knapp überleben", sondern ihre Struktur und Ästhetik beibehalten. Dieses Wissen möchte ich mit allen Interessierten teilen und stelle in dieser Reihe immer mal wieder "Pflanzen mit Rückrat" vor!

STORMY HEROE - LENZROSEN An besonders exponierter Stelle - im Garten am Meer - durfte ich am vergangenen Wochenende Zeugin (aus dem Haus schauend...) sein, als extreme Orkanböen über mehrere Stunden durch den Garten fegten. Besonders beeindruckend waren dabei die Lenzrosen (Helleborus orientalis), die dem Orkan trotz ihrer langen und weichen Stängel hervorragend getrotzt haben. Sowohl Blüten als auch die gesamte Staude strahlen am nächsten Tag fast unbeschädigt. Das Blattwerk wird vor der Blüte immer fast vollständig entfernt, da fast sämtliche Blätter alt und leider über das Jahr hinweg nicht mehr gut aussehen. Es wird in den nächsten Monaten nachwachsen. Im Spätwinter sind es für mich die schönsten Stauden in verschiedensten Blütenfarben, -formen und -mustern. Ganz gleich, welche Stürme noch folgen - die Lenzrose ist schon jetzt DER "Stormy Heroe" in 2022...
  • Lenzrose 'Double Red' (Helleborus orientalis)
    Lenzrose 'Double Red' (Helleborus orientalis)
  • Lenzrosen in alle Variationen
    Lenzrosen in alle Variationen

  • Rotbuche (Fagus sylvatica) - schönes trockenes Winterlaub
    Rotbuche (Fagus sylvatica) - schönes trockenes Winterlaub
  • Rosa Kätzchenweide (Salix gracilistyla) 'Mount Aso'
    Blühhecke Bauernjasmin (Philadelphus coronarius) - laubabwerfend, robust und insektenfreundlich
  • Im Norden zu Hause - die heimische Eibe (Taxus baccata) - DAS Formgehölz und absolut windfest
    Im Norden zu Hause - die heimische Eibe (Taxus baccata) - DAS Formgehölz und absolut windfest
  • Mein Favorit - die starkwüchsige und trockenheitsliebende immergrüne Ölweide (Eleagnus ebbingei)
    Mein Favorit - die starkwüchsige und trockenheitsliebende immergrüne Ölweide (Eleagnus ebbingei)
  • Immergrüner portugiesischer Kirschlorbeer (Prunus lusitanica) - wunderschön und trockenresistent
    Immergrüner portugiesischer Kirschlorbeer (Prunus lusitanica) - wunderschön und trockenresistent
  • In Form oder frei geschnitten - der gemeine Liguster (Ligustrum vulgare)
    In Form oder frei geschnitten - der gemeine Liguster (Ligustrum vulgare)
STORMY HEROES - HECKEN-HELDEN AM MEER Wann pflanze ich Hecken, v.a. die immergrünen in unseren sturmgeprägten Gärten? Herbstzeit ist ja bekanntlich die beste Jahreszeit, um Gehölze zu pflanzen. Der Boden ist noch warm, und die kommende Jahreszeit sorgt für ausreichend Feuchtigkeit, um die Neuankömmlinge zu versorgen. Oft besteht der Wunsch meiner Kunden nach immergrünen - möglichst schon großen Gehölzen, wie Kiefern, Ilex, Eibe, etc. In besonders windexponierten Lagen ist die Pflanzung in der Sturm- und Orkanzeit allerdings ein gewagtes Spiel. Die Wurzeln der Gehölze sollen möglichst ungestört - also ohne ständige Bewegung - anwachsen, und die immergrünen Blätter/Nadeln verlangen nach viel Feuchtigkeit, um diese Phase zu unterstützen. Mein Ratschlag ist daher, immergrüne größere Gehölze entweder fachmännisch zu stützen (z. B. durch Pfählung) oder die Pflanzung sogar erst im Frühjahr vorzunehmen, um die Pflanzen vor den starken Bewegungen zu schützen. Sind die Gehölze erst einmal eingewachsen, dann kommen viele Heckenarten mit dem hiesigen Klima sehr gut zurecht. Einige möchte ich mit den folgenden Bildern vorstellen, sowohl immergrüne als auch laubabwerfende.

  • Pampasgras (Cortaderia selloana) 'Pumila'
    Pampasgras (Cortaderia selloana) 'Pumila'
  • Hohe Fetthenne (Sedum telphium) 'Herbstfreude'
    Hohe Fetthenne (Sedum telphium) 'Herbstfreude'
  • Zierapfel (Malus) 'Evereste'
    Zierapfel (Malus) 'Evereste'
  • Rosa Kätzchenweide (Salix gracilistyla) 'Mount Aso'
    Rosa Kätzchenweide (Salix gracilistyla) 'Mount Aso'
  • Niedriger Falscher Sonnenhut (Echinacea)
    Niedriger Falscher Sonnenhut (Echinacea)
  • Miscanthus sinensis 'Red Chief'
    Miscanthus sinensis 'Red Chief'
  • Federbuschgräser (Stipa tenuissima)
    Federbuschgräser (Stipa tenuissima)
  • Rotschleierfarn (Dryopteris erythrosora)
    Rotschleierfarn (Dryopteris erythrosora)
STORMY HEROES - DIE OHNE SCHIEFLAGEN IM WINTER An den bleibenden Strukturen im Winter kann man die windstarken Helden im Garten am besten erkennen. Wer hier in Schieflage gerät, hat im hohen Norden (fast) nichts verloren. Daher zeige ich Euch heute auch nur die Schwarz-Weiß Aufnahmen meiner Helden, auf denen man die unterschiedlichsten Formen und Gestalten am besten erkennen kann. Beim Pampasgras (Cortaderia selloana) empfehle ich die niedrige Variante ‘Pumila‘. Über die windresistente Fetthenne ‚Herbstfreude‘ hatte ich schon berichtet. Besonders schön sind die Zierapfelsorten 'Evereste' und 'Red Sentinel', die wacker die kleinen Äpfelchen bei Orkanstärken halten. Weiden sind die heimlichen Sieger im hohen Norden - kennt Ihr die bezaubernde Rosa Kätzchenweide (Salix gracilistyla) 'Mount Aso'? Beim falschen Sonnenhut ('Echinacea') halten ebenfalls die niedrigen Sorten lange durch, und bei den Gräsern kann ich mich an den Strukturen der Chinaschilfsorten (hier Miscanthus Sinensis 'Red Chief‘) und Federbuschgräsern (Stipa tenuissima) nicht satt sehen, letztere müssen sogar nie geschnitten werden. Und wer schattige Ecken im Winter lange saftig grün gestalten möchte, dem empfehle ich den horstig wachsenden Rotschleierfarn 'Dryopteris erythrosora', der ebenfalls gut mit stärkeren Stürmen zurecht kommt.

  • Wintergrüne Ölweide (Eleagnus ebbingei)
    Wintergrüne Ölweide (Eleagnus ebbingei)
  • Duftende Blüten der wintergrünen Ölweide
    Duftende Blüten der wintergrünen Ölweide
  • Früchte der wintergrünen Ölweide
    Früchte der wintergrünen Ölweide
STORMY HEROE - WINTERGRÜNE ÖLWEIDE (ELEAGNUS EBBINGEI) Eines meiner absoluten Favorites der sturmfesten und robusten Gehölze - die wintergrüne Ölweide (Elaeagnus ebbingei). Das Gehölz verwende ich gern als starkwüchsige Hecke in Küstenregionen, gern auch auf breiten Friesenwällen oder in großen Kübeln. Diese Ölweide ist immergrün, besser gesagt blaugrün, absolut sturm- und salzfest und erinnert ein wenig an einen Olivenbaum mit breiteren Blättern. Auf dem 2. Foto ist sie in der Kombi mit einem Hartriegel ‚Midwinter Fire“ zu sehen - was für ein Kontrast. Besonders ist auch die zauberhafte und unglaublich duftende Blüte im Herbst - man möchte die Nase nicht mehr aus der Hecke nehmen. Diese Blüten werden im Frühjahr zu kleinen eiförmigen roten Früchten, die sogar essbar sind. Die Amseln lieben diese Leckerei. Trockenheit ist für das Gehölz kein Problem, nur gefrierende Staunässe mag es nicht. Als Flachwurzler benötigt sie Platz, also nicht zu eng pflanzen. Wenn die Ölweide erst einmal „Fuss“ gefasst hat, ist sie im Wachstum unglaublich stark

  • Reitgras 'Karl Förster' (Calamagrostis acutiflora 'Karl Förster')
    Reitgras 'Karl Förster' (Calamagrostis acutiflora 'Karl Förster')
  • Japan-Waldgras (Hakonechloa macra)
    Japan-Waldgras (Hakonechloa macra)
  • Japan-Waldgras 'Aureola' (Hakonechloa macra 'Aureola')
    Japan-Waldgras 'Aureola' (Hakonechloa macra 'Aureola')
  • Flächige Pflanzung Japan-Waldgras
    Flächige Pflanzung Japan-Waldgras
  • Beide Gräser im November
    Beide Gräser im November
STORMY HEROE - GRÄSER SIND DIE WAHREN HELDEN Gräser sind in der Gartengestaltung nicht mehr wegzudenken, und doch zögern einige Gartenbesitzer im windstarken Norden... Zu Unrecht, denn gerade unter den Gräsern gibt es wahre Wind-Akrobaten! Einige meiner Lieblingsgräser stelle ich in dieser Reihe gern vor. Zwei Gräser, die eine fast ganzjährig schöne Struktur ergeben und auch Halbschatten vertragen, sind das sehr aufrechte hohe (ca. 140 cm) Reitgras 'Karl Förster' (Calamagrostis acutiflora) und das mittelhohe (ca. 50 cm) Japan-Waldgras (Hakonechloa macra). Sie sind direkt nach dem Rückschnitt im Februar/März schnell wieder sichtbar und wiegen sich - je nach Windstärke - mal mehr, mal weniger im Wind. Beide benötigen eine nährstoffreiche Erde und sind nicht wirklich Trockenheitskünstler. Dafür belohnen sie mit einer saftigen Blattfarbe. Das Waldgras gibt es auch in einer schönen gelbgrünen Farbe, die Licht in dunkle Gartenecken bringt. Es kann sehr breit werden, also nicht zu dicht pflanzen. Je windiger der Standort ausfällt, umso geringer ist hingegen das Höhenwachstum. In sehr stürmischen Gebieten kann das bis zu 20/30 Prozent ausmachen. Das gilt im Übrigen für sämtliche Pflanzen in diesen Gebieten. Die Ähren des Reitgrases besitzen eine wunderschöne Sandfarbe, die des Japan-Waldgrases sind eher filigran und unauffällig. Beide Gräser verwandeln sich in den nächsten Wochen in eine schöne hellbraune Farbe, die den Winterstürmen trotzen werden und erst im Frühjahr bodentief zurückgeschnitten werden.

  • Flügel-Spindelbaum (Euonymus alatus) 'Chicago Fire'
    Flügel-Spindelbaum (Euonymus alatus) 'Chicago Fire'
  • Beginnende Herbstfärbung
    Beginnende Herbstfärbung
STORMY HEROE - EIN HERBSTFEUERWERK MIT DEM SPINDELSTRAUCH Seine korkartigen Äste sehen eher zerbrechlich aus, und doch habe ich mich von der Windfestigkeit in meinem Garten am Meer überzeugen können. Die eiförmigen Blätter des Korkflügelstrauchs betören in diesen Tagen mit einer wunderschönen kaminroten Färbung, und die Sorte 'Chicago Fire' bringt außerdem kleine orange-rote Früchte hervor, die wie Perlen an den Zweigen hängen. Dieser bildschöne und winterharte Strauch wird bis zu 4m hoch und breit, findet also auch in kleineren Gärten eine Heimat. Er liebt einen halbschattigen bis sonnigen Standort sowie einen nährstoffreichen und durchlässigen Boden. Als Flachwurzler benötigt er etwas Platz für seine Baumscheibe. Im ersten Foto sieht man den Strauch in einer Schirmform, d. h. die unteren Zweige wurden entfernt, um ihm eine schwebende Schirmkrone zu geben. In Kombination mit hellen Gräsern kommt das Rot im Herbst besonders gut zu Geltung. Aber auch kleine Zwiebelblüher wie z. B. Krokusse oder Schneeglöckchen nehmen diesem Gehölz im Frühjahr nicht die Show.

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