INTERIOR-TIPPS

Stellt Euch vor, Ihr lebt in einem Haus ohne Bad, Küche und Schlafzimmer … So geht es mittlerweile vielen unserer krabbelnden, fliegenden, summenden Erdbewohner – sie finden keinen Lebensraum mehr , wenn sie in Schotterwüsten ohne Pflanzen, in abgeräumten Beeten im Winter oder in heißen und friesisch windigen Sommern ohne Wasser unterwegs sind. In diesen Gestaltungstipps geht es nicht um das Nahrungsangebot, sondern um die ebenso wichtigen Lebensgrundlagen wie Schlafplätze, Körperpflege, Überwinterungsmöglichkeiten, Schutzräume, Kinderzimmer oder einfach nur Ruhezonen. Hier also einige Interior Tipps für „Schöner Wohnen“ in der Tierwelt!

Es geht nicht nur um die erwachsenen Tiere, sondern auch um ihre Nachkommen – Larven, Raupen, Eier,…

Für Insekten gibt es nichts Wertvolleres als Stengel, Gräser, Ritzen, Pfützen, Totholz, Mulch etc. Ein Insektenhotel stellt quasi Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten zur Verfügung. Aus Ton, Holz, Ziegel, Stroh lässt sich ein solches Haus selbst herstellen. Aber Achtung: gewisse Anforderungen gilt es zu beachten, damit die Tiere sich nicht verletzen. Der NABU bietet hierzu wunderbare Anleitungen. Ein Beispiel für ein ästhetisches Luxushotel habe ich vor ein paar Jahren auf der Insel Amrum entdeckt – seht selbst. So ein schönes Haus passt auch in gestalterisch anspruchsvolle Gärten.

In Nordfriesland kennen wir alle die wunderschönen Friesenwälle. Leider sind einige mit in Beton gebundenen Findlingssteinen gebaut. Wertvoll (und übrigens auch viel schöner) sind hingegen die „echten“ Trockenmauern. Hier werden Natursteine ohne Mörtel aufeinandergesetzt, oft angelehnt an ein Erdreich dahinter, bepflanzt oder als Wegbegrenzung wie im Foto. Dieser unglaublich wertvolle Lebensraum bietet Eidechsen und Insekten Nist- und Schutzräume. Außerdem sind die Mauern mit unterschiedlichen Steinmaterialien strukturgebende wunderschöne Gartenelemente. Sie schützen andere Gartenteile vor den nordischen Winden, geben Wärme ab und verhindern Erosion.

Die einfachsten Gestaltungen sind oft die schönsten. Bremst Euch als Gartenbesitzer im Aufräumen vorm Winter! Es tut Eurem Rücken gut und bietet sowohl Nist-, Schutz- und Überwinterungsplätze für Insekten, die im Winter bei uns bleiben (z. B. das Tagpfauenauge) oder ihre Nachkommen winterfest unterbringen müssen. Vögel finden in den trockenen Samenständen Futter. Schaut Euch das Foto an – wie schön sind Schnee- oder Rauhreif-bedeckte Samenstände von Echinacea und Astern!

3/4 unserer Wildbienen nisten im Boden. Dazu zählen auch die Hummeln. Unversiegelte Böden sind daher ein wichtiges Gestaltungselement in Gärten.

Die Nordsee ist das größte Gewässer vor unserer nordfriesischen Haustür – trinken können daraus die wenigsten Lebewesen. Unser Gartenbewohner finden ihre Küche eher in kleinen (oder großen) Gartenteichen. Auch als Badezimmer dienen die Wasserstellen in unseren heißen Sommern – Vögel baden und putzen sich darin gern. Gestalterisch kennt ein Wasserbiotop keine Grenzen – vom naturnahen Schwimmteich, kleinem Wasserbiotop mit Pflanzen bis hin zu einer schönen Wasserschale. Geschmäcker sind unterschiedlich. Wichtig ist dabei die Sauberkeit. Vogeltränken aus Stein sind wunderschön – sie sollten aber nicht zu schwer sein, damit das Wasser täglich gewechselt werden kann.

Viele Vogelarten benötigen Nistkästen für Ihre Nachkommen-Aufzucht. Zwei sehr schöne Beispiele findet Ihr in den Fotos. Auf Nordstrand gibt es beispielsweise die „Wolkenheime“ in schlichtem Design aus witterungsbeständigem Lärchenholz. Sehr schön sind auch handgefertigte „Kinderstuben“ mit Gründach wie im zweiten Foto zu sehen. Auch hier gibt es unzählige Varianten zu kaufen, die einen Garten bereichern und Leben schaffen.

Der Unterschied zwischen Schottergärten und Kiesgärten liegt in der Gestaltung mit Pflanzen – Schottergärten sind Steinwüsten ohne Leben, Kiesgärten sind Stauden-betonte wertvolle Biotope.

Zu guter Letzt noch ein Plädoyer für die Gestaltung mit Steinen. bei einer Gartenanlage sind Steine ein wichtiges Gestaltungselement. Große Findlinge oder andere Natursteine bieten Strukturen, v.a. im Winter. Nicht nur als Mauer oder Boden, sondern als Gartenobjekte, etwas in den Boden eingelegt oder als Steinhaufen. Sie stellen eine Ruhezone, Landebahn oder Wärmeplatz dar. Frösche, Kröten, Eidechsen kriechen darunter. Insekten und Vögel nutzen sie als Landebahn. Und manchmal setze ich mich einfach auf einen großen Stein mitten in den Garten – höre, sehe und staue!