Mit Kies-/Sandgärten meine ich nicht die geächteten Schotter-Vorgärten! Diese Antwort gebe ich oft meinen Kunden, die in der Presse über die „Gärten des Grauens“ lesen. Im Gegenteil: Während die Schottergärten reine Steinwüsten sind, die oft auch noch mit einem vermeintlich pflegeleichten Vlies unterlegt sind, stellen Kiesgärten lebendige Biotope mit einer reichen Pflanzen- und Tierwelt dar. Die jungen trockenheitsliebenden Pflanzen – meist Stauden oder Gräser – werden direkt in eine mind. 20 cm dicke helle Gesteinsschicht gesetzt. Dabei ist der Gestalter frei in der Wahl unterschiedlicher Körnungsgrößen. Ich empfehle oft Estrichsand 0-8mm, da dieser eine leicht kiesige Krönung besitzt und bindiger liegt. Aber auch größere Korngrößen, Splitt oder Kies 2-63 mm sind geeignet, je nach gestalterischem Geschmack.
Die Idee klassischer Kies-/Sandgärten wurde ursprünglich von der englischen Gartendesignerin Beth Chatto kreiert, die lebenslang nach dem Motto „The right plant in the right place“ gärtnerte.
Sehr viele Pflanzen sind geeignet für die Pflanzung in einem Sand-/Kiesgarten. Jung gepflanzt versuchen die Wurzeln, möglichst tief zu wurzeln und sind damit in Trockenperioden besser geschützt. Bei Pflanzen, die humoseren Boden benötigen, wird der Sand/Kies nur als mulchende Abdeckung des Bodens verwendet, so daß verschiedene Bodenansprüche mit der gleichen Sandoptik in einem Beet zum Tragen kommen.
Warum ist ein Sand-/Kiesbeet denn nun ein „besserer“ Garten für unsere kleinen Gartenbewohner? Durch die Wärme der Gesteinsschicht entsteht Wärme, darunter Feuchtigkeit. Insektenfreundliche Pflanzen gedeihen in diesem Mikroklima und fördern durch ihren Bewuchs das Ansiedeln verschiedenster Arten. Nachdem die Pflanzen eingewachsen sind, geht auch der Gießaufwand gegen Null – in Zeiten des Klimawandels auch im Norden ein unerlässlicher Vorteil.
Sand-/Kiesgärten sind auch pflegeleichter, da unerwünschte Unkräuter in geringerem Umfang wachsen und durch die lockere Sandschicht auch leicht entfernt werden können.
Gestalterisch sind Kies-/Sandgärten sehr variantenreich. Hier gilt immer der Grundsatz „die Linie nicht vergessen“. Es wirkt einfach anders, wenn ein Sandgarten mit klaren Linien eingefasst wird, z. B. mit einer schönen Steinkante oder einer rostenden Cortenstahlkante. Auch Wege sollten bei einem Sandgarten vorgesehen sein. Gebrochene natürliche Steinplatten oder ein Weg aus Holzbohlen – gern auch in einer dunkleren Kontrastfarbe zum Sand geben Halt beim Betreten und Linien für die Optik.
Viele wunderschön blühende Staudenarten benötigen einen nährstoffarmen Boden wie ein Sand-/Kiesbeet. Auch manche mediterrane Halbsträucher wie Lavendel fühlen sich mit möglichst wenig sehr wohl und lieben auch unsere raue Nordsee.
Auch die Wahl der Pflanzenfarben spielt in der Wirkung eine große Rolle. Rottöne sind natürlich gewagt, aber der Herbst bringt durch die Färbung verschiedener Laubgehölze oder einer Fetthenne wie die Sorte „Herbstfreude“ warme Töne in den hellen Farbton des Sandes. Helle Gräser sollte man daher immer in der Kombination mit stärkeren Farben einsetzen – sonst verlieren sich diese im hellen Sand. Auch bei der Wahl von Zwiebelblühern – hier bitte auf solche achten, die kargeren Boden mögen (z.B. Wildtulpen) – ist eine Fernwirkung zu beachten. Die auf dem Foto dargestellte schwefelgelbe Tulipa turkestanica ist traumhaft schön, in der Fernwirkung aber nur bei bestimmten Lichteinwirkungen gut sichtbar.
Eine kleine Dokumentation über die Anlage eines solchen Sandgartens findet Ihr auf meinem YouTube Kanal – viel Spaß!





