
In meinem Gartenplanungs-Alltag begegne ich regelmäßig bestehenden, älteren Gärten – rund jeder dritte Auftrag beinhaltet die Neugestaltung solcher grünen Refugien. Die Besitzer sind häufig mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert, sei es durch vernachlässigte Ecken oder Pflanzen, die nicht mehr gedeihen. Der spürbare Einfluss des Klimawandels, der nun auch den Norden erreicht hat (wenn auch nicht so ausgeprägt wie im Süden), stellt eine zusätzliche Belastung für die bestehende Bepflanzung dar.
Diese älteren Gärten verfügen jedoch oft über eine solide Grundstruktur, die es wert ist, bewahrt zu werden. In meinem heutigen Beispiel möchte ich euch zeigen, wie Veränderungen an bestehenden Gärten durchgeführt werden können, um sie nicht nur den aktuellen Bedingungen anzupassen, sondern auch ihre ursprüngliche Schönheit und Funktionalität zu bewahren.
Der Garten vor der Gestaltung : Im Sommer 2021 habe ich den ca. 3.000 qm Garten in der Nähe von Husum, also sehr Nordsee-nah, zum ersten Mal besucht. Aus dieser Zeit stammen die „Vorher“-Bilder.
Der Garten nach der Umgestaltung: Die ersten Veränderungen sind innerhalb eines Jahres vorgenommen worden. Ein letzter Teil, nämlich die Anlage eines neuen Heidegartens, wurde im Sommer 2023 ergänzt.


Zuerst beginne ich grundsätzlich mit einer gründlichen Gartenanalyse und Bewertung. Dabei lasse ich den Garten zu verschiedenen Tageszeiten auf mich wirken, identifiziere vorhandene Pflanzen, Strukturen, Blickrichtungen und Charakteristika. Ich bewerte den Zustand der bestehenden Elemente und entscheide, welche erhalten werden sollen und welche ersetzt oder aktualisiert werden müssen.
Struktur dieses Beispiel-Gartens: die organische Form des Gartens mit seinen geschwungenen Flächen sowie einer Beet-Zunge in der Mitte, die den Garten in verschiedene Räume teilt, ergab eine Gesamtbild, das es zu erhalten galt.
Pflanzenbestand: Alte Gehölze wie Rhododendren, Hortensien, ein Traum von Fächerahorn, Spindelstrauch, Perückenstrauch, Goldregen, Eiben und eine wunderschöne Magnolie auf der Beetzunge sollten unbedingt weiterhin bestehen und in Szene gesetzt werden.
Geplante Strukturveränderungen: Grundsätzlich wirkten viele Bereiche sehr unruhig. Eine verbesserte Linienführung und mehr Ruheflächen sollten eines der Ziele der Verjüngung sein. Ich bin zwar kein großer Fan von Rasenflächen, aber in diesem Fall dient dieser unter anderem als neutrale Fläche, die das Auge auf die umliegenden Bereiche lenkt.
Die Linienführung wurde durch den Einsatz einer Cortenstahl-Beetkante sowie einer in unterschiedlichen Höhen verlaufenden Trockenmauer betont. Die neue Trockenmauer wurde vor die bestehenden erhöhten Altbeete gesetzt. Das hatte den Vorteil, dass die Beete nicht abgetragen werden mussten und die Wurzeln der Altgehölze nicht beschädigt oder durch neue Erde zugeschüttet wurden.
Flächige Stauden/Gräserpflanzungen bringen Ruhe in die Beete und betonen Solitärgehölze wie beispielsweise die alte Magnolie auf der Beet-Zunge. Bei einem so großen Garten ist so ein flächiger Einsatz auch kein Problem, anders als bei kleinen Gärten, die dann schnell langweilig wirken können.
Auf der obigen Fotomontage seht Ihr sehr gut den Effekt eines ruhigen Hintergrunds, hier in Form einer immergrünen Eibenhecke. Die „unruhigeren“ Gehölzen und Stauden kommen erst richtig zur Geltung, wenn sie vor Formhecken platziert sind.
In der nächsten Bilderfolge seht Ihr die Veränderung eines Gartenteils, in dem Rhododendren, Chinaschild und alte wunderschöne Solitärgehölze mit den Jahren ineinander gewachsen und zu einer „Masse“ geworden sind.
Hier ist Mut zum Schneiden und Roden/Versetzen wichtig. Die hohen Chinaschilfe wurden zum Teil in andere größere Beete verteilt und durch Bodendecker ersetzt. Der wunderschöne Fächerahorn und der alte Spindelstrauch wurden etwas auseinandergesetzt.
Ein hellerer Weg (wassergebundene Wegedecke) betont den Hintergrund und lässt den Garten naturnaher wirken.
Die großen dahinter stehenden Rhododendren wurden zu Schirmgehölzen aufgeastet (nur Mut – diese Gehölze sind extrem schnittfest!), so daß der gesamte Bereich an Leichtigkeit gewinnt und zum Schlendern einlädt.




Einen weiteren Bereich im hinteren Garten habe ich in meiner Planung „Gehölzwäldchen“ genannt (in meinen Planungen bekommen die verschiedenen Gartenbereiche immer Namen…!). Die in die Jahre gekommenen wild gewachsenen Eiben wurden ebenfalls aufgeastet und mit bodendeckenden Schatten-Stauden/Gräsern bepflanzt. Plötzlich entstand so eine neue Lichtung und Perspektive.
Verbindungselement und Linie: die neue Trockenmauer ist nicht nur ein wunderschönes Gestaltungs-, sondern das Verbindungselement zu den übrigen Gartenbereichen.


In diesem Garten existierte noch ein braches Stück Garten, das eine Neugestaltung bekommen sollte. Ein kleiner Heidegarten war mit der Planung 2021 vorgesehen und im Sommer 2023 umgesetzt worden.
Dieser Teil hat seinen eigenen Charakter und liegt im hinteren Teil des Gesamtgartens, also außerhalb des Blickfeldes vom Haus aus. Etwas erhöht und umgeben von der bereits im übrigen Garten eingesetzten Trockenmauer wurden Heidepflanzen und Himalayabirken gepflanzt. Der Hintergrund zum Nachbargarten wurde mit einer formal geschnittenen Eibenhecke beruhigt.
Der gemulchte Weg führt raus zu einer größeren in Holz ummantelten Kompostecke (diese wurde nach später noch mit Gehölzen eingefasst) und einem Wirtschaftsweg hinter dem Gesamtgarten, auf dem Gärtner die An- und Abfuhr von Grünschnitt und Technik vornimmt.


Ich hoffe, mit diesem Blog Eure Neugier auf die Neu- und Umgestaltung von Gärten geweckt zu haben. Vielleicht interessiert Euch auch der folgende Blog:
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