
Heute geht es mal wieder um Farben in unseren norddeutschen Gärten, und zwar um die jetzt beginnende Herbstzeit, die bei uns an der Küste ja bekanntlich oft ein länger wärmenderes Klima als in anderen Regionen Deutschlands aufweist.
Was bedeutet eigentlich Herbstfarbe?
Im Herbst dominieren vor allem warme Töne wie Rot, Orange und Gelb. Diese entstehen, wenn sich das Laub der Bäume verfärbt und die Pflanzen sich auf die Winterruhe vorbereiten. Aber Herbstfarben beschränken sich nicht nur auf die klassischen Rottöne. Auch die sanften Farben von Gräsern und die oft braun-grauen Samenstände tragen zur typischen Herbststimmung bei. All diese Farben zusammen verleihen dem Garten in dieser Jahreszeit eine besondere Wärme und Ruhe, die das Ende der Wachstumsphase begleitet.

Warum verändern sich die Farben der Pflanzen?
Der Farbwechsel im Herbst ist das Ergebnis eines chemischen Prozesses in den Blättern. Während des Sommers produzieren Pflanzen durch Photosynthese Chlorophyll, den grünen Farbstoff, der für die Energiegewinnung aus Sonnenlicht verantwortlich ist. Wenn die Tage kürzer und kühler werden, stellt die Pflanze die Chlorophyllproduktion ein. Dadurch werden andere Farbpigmente sichtbar, die das Blatt bereits enthält: Carotinoide für Gelb- und Orangetöne sowie Anthocyane für Rot- und Violetttöne. Diese Pigmente sind das Ergebnis des Abbaus von Nährstoffen, die die Pflanze vor dem Winter einlagert.
Was muss ich bei der Gartengestaltung beachten?
In der Gartengestaltung achte ich natürlich auf ein ganzjährig attraktives Erscheinungsbild. Die Herbstaspekte sind mir persönlich besonders wichtig. Dabei wähle ich vor allem Gehölze mit besonderer Herbstfärbung oder Fruchtschmuck aus. Bei den Stauden achte ich auf eine späte Blüte oder spannende Samenstände, die auch im Winter attraktiv wirken. Und dann sind da noch die vielen verschiedenen Gräserarten, die den Garten gerade im Herbst und teilweise Winter lebendig wirken lassen. Vor allem in unseren norddeutschen Windregionen sind Gräser DAS Gestaltungselement in Gärten.

Bei der Pflanzenwahl ist die Windfestigkeit sehr wichtig!
Klar – bei uns im Norden zieht es nicht nur ein bisschen, sondern gerade im Herbst kann schon mal ein kleines bis größeres Sturmtief oder sogar Orkanstärke durch unsere Gärten ziehen. Bei den farbenfrohen Gehölzen sollten die Blätter eher kleiner und lange formstabil bleiben. Nehmen wir die Gattung der Spindelsträucher. Die meisten kennen das heimische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): unverwüstlich, mit einer schönen Buntfärbung und den kleinen Pfaffenhütchen als Fruchtschmuck. Es gibt aber auch gezüchtete Sorten, die zwar nicht so einen schönen Fruchtschmuck, aber eine grandiose Herbstfärbung aufweisen, z. B. der Korkspindelstrauch (Euonymus alatus).
Als tollen „Lückenfüller“, v.a. in Mischhecken aber durchaus auch als Solitär, verwende ich den Sibirischen Hartriegel mit seinen blauen Fruchtständen und herbstlichen Rotfärbung
Oder nehmen wir die Zieräpfel-Gehölze. Es gibt unzählige Sorten mit schöner Herbstfärbung (und Blüte im Frühling), aber nicht bei allen haften die kleinen Äpfel bis in den Winter hinein, wenn die Stürme an ihnen zerren. Die beiden Sorten „Everest“ und „Red Sentinel“ sehen mit ihrem Fruchtschmuck auch noch im Winter apart aus.
Den Perückenstrauch (Cotinus coggryia) habe ich früher schon erwähnt. Vor einem ruhigen Hintergrund wirkt der luftige Strauch besonders schön, hier im Herbst kombiniert mit einem gelb-färbenden Pfeifengras – eine Hammer-Kombi!
Für mehr Platz – Indian Summer im Garten
Wer etwas mehr Platz im Garten hat, der sollte unbedingt in einen (oder mehrere) größeren Baum investieren. Indian Summer Feeling kommt vor allem beim Rotahorn (Acer rubrum) auf, der ein einziges Feuerwerk entfacht. Extrem windfest ist auch der Feldahorn (Acer campestre), den ich gern an vorderster Front am Meer einsetze. Seine Gelbfärbung und kleineren Ahornblätter bezaubern im Herbst.
Wer Mut zu einem besonderen und windfesten Sitzplatz hat, der sollte sich Dachformen aussuchen. Zieräpfel oder die von mir schon oft empfohlene Felsenbirne gibt es auch als Dachform. Sie eignen sich zur Schattengebung im Sommer, um dann in ihr farbiges Spätsommer-Kleid zu tauchen.
Wer eine große Wand, z. B. in einem städtischen Innenhof, besitzt, für den ist der Wilde Wein (Parthenocissus quinquefolia) eine tolle Alternative. Aber Vorsicht: die Haftwurzeln greifen spröde Mauern an…
Staudenfreude im Herbst
Beispiele für schöne Herbst-Stauden mit einer späten Blüte sind natürlich die Astern. Eine sehr schöne und windfeste Sorte mit kleinen aber zahlreichen Blüten ist die Schleier-Aster (Aster cordifolius). Vor allem in Kombination mit Dahlien oder Gräsern kommt sie richtig gut zur Geltung.
Die Blauraute (Perovskia atriplicifolia ‚Blue Spire‘) blüht ja bereits seit Juli und hält auch jetzt noch eine Weile durch. Die gelben Sonnenhüte (Rudbeckien) bilden einen tollen Kontrast dazu.
Sehr schön kommt jetzt auch der weiße Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis ‚Alba‘) zur Geltung, hier im Bild mit dem Herbst-Eisenhut (Aconitum carmichaelii ‚Arendsii‘). Letzterer ist allerdings nicht ganz so windfest und braucht etwas Standhilfe.
Der ultimative windfeste und zuverlässige Hingucker ist für mich allerdings die Prachtkerze (Oenothera lindheimeri). Sie wirkt inmitten von wiesenhaften Pflanzungen ebenso gut wie als Solitärstaude.
„Ein Garten ohne Gräser ist grässlich“
… ein Zitat des berühmten Staudenzüchters Karl Förster, zugegeben ein sehr schroffes Urteil, aber so ganz unrecht hatte er nicht.
Vor allem in unseren windreichen Gebieten sind Gräser eine wundervolle und pflegeleichte (vorausgesetzt es sind keine allzu stark versamenden Sorten) Ergänzung in den Beeten. Ich verzichte an dieser Stelle auf zu viele Worte und empfehle Euch meinen früheren Blog. An dieser Stelle lasst einfach die Fotos auf Euch wirken und pflanzt – Gräser!






















