STORMY HEROES – Solitär-Gehölze, die nichts umhaut

Vor ein paar Wochen habe ich Gärten in Cornwall besucht. Das Klima ist natürlich etwas wärmer und tropischer, aber die Windexponiertheit ist mancherorts vergleichbar mit unseren rauen Küstengärten. Eine Pflanze ist mir besonders aufgefallen – die Tamariske. Die Tamarix ramosissima wird dort als wind- und salzverträgliche Heckenpflanze eingesetzt. Mich hat sie an die wunderbaren Solitär-Tamarisken im Garten meiner Eltern erinnert.

Bei jeder Garten-Planung fange ich mit den Solitären – also den einzelnen, meist auffälligen Gehölzen (Baum oder Strauch) an, meist frei stehend, um sie besonders zur Geltung zu bringen. Welche kleinen und mittelgroßen sind geeignet für unsere norddeutsche wind- (und oft salz-) reichen Gärten?

Die Tamarix tetrandra (Frühlingstamariske) blüht früher als die eben genannte T. ramosissima und eignet sich wunderbar als Solitär im Garten. Die fluffige rosa-pastellige Blüte ist ein Hingucker im Mai/Juni. Sie wiegt sich im Wind, ist sehr anspruchslos und tauscht dann ihr Erscheinungsbild gegen ein apartes grün-graues Blattkleid. Vor allem in naturnahen Pflanzungen wird sie gern eingesetzt.

Die weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia) und besonders ihre hängende Form Pendula eignet sich ebenfalls hervorragend als windfestes Ziergehölz für kleine Gärten. Mit ihrem silbrig-grauen, schmalen Laub ähnelt sie einem Olivenbaum und ist ein attraktiver Blickfang, der wenig Platz beansprucht. Sie ist robust, anspruchslos in der Pflege und liebt sonnige, gut durchlässige Standorte. Ihre Frühjahrsblüten machen sie zusätzlich wertvoll für Insekten. Ein gelegentlicher Schnitt der hängenden Variante hält die Form schön und verhindert, dass Zweige auf dem Boden aufliegen.

Der Ginkgo (Ginkgo biloba) ist ein faszinierender und uralter Baum mit hoher Symbolkraft. Er ist extrem robust, pflegeleicht, völlig frost- und windfest, dabei auch äußerst langlebig. Für kleine Gärten bieten sich kompakte Sorten wie ‚Mariken‘ oder ‚Fastigiata‘ an. Wer einen zukunftssicheren, gesunden und besonderen Baum sucht, kann mit einem Ginkgo kaum etwas falsch machen.

Wer eher einen Kleinbaum mit essbaren Früchten sucht, dem sei die Elsbeere (Sorbus torminalis) ans Herz gelegt. Dieser selten gewordene Wildbaum ist eine heimische Kostbarkeit mit hohem ökologischen und gestalterischen Wert. Mit einer Wuchshöhe von etwa 10 bis 15 Metern bleibt die Elsbeere deutlich kleiner als viele andere Laubbäume und eignet sich damit auch für größere Privatgärten.

Besonders attraktiv finde ich ihr gefiedertes Laub, das im Herbst in leuchtenden Gelb-, Orange- und Rottönen aufflammt. Ihre unscheinbaren weißen Blüten im späten Frühjahr bieten Insekten reichlich Nahrung. Im Spätsommer und Herbst reifen dann die kleinen, apfelförmigen Früchte, die genießbar sind – roh etwas herb, aber gut geeignet für Mus, Kompott oder Wildfruchtmarmelade. Auch Vögel schätzen sie sehr – also nicht zu lange mit der Ernte warten!

Wer einen heimischen, pflegeleichten und zu jeder Jahreszeit hübschen Kleinbaum sucht, sollte Cornus mas, die Kornelkirsche, in Betracht ziehen. Sie zählt zu den ersten Blühern des Jahres und bringt schon im späten Winter bis frühen Frühjahr leuchtend gelbe Blütenbüschel hervor – eine wertvolle frühe Nahrungsquelle für Wildbienen und andere Insekten. Im Sommer folgen kirschähnliche, rote Früchte, die essbar sind und sich hervorragend für Gelees, Säfte oder Liköre eignen. Die Kornelkirsche wächst langsam, aber stetig und erreicht als Strauch oder kleiner Baum etwa 3 bis 6 Meter Höhe. Sie ist extrem robust, hitze- und trockenheitsverträglich, gut windfest und völlig frosthart – ein echtes Gehölz für schwierige Standorte. Auch im urbanen Raum kommt sie gut zurecht. Im Herbst zeigt sie sich zudem mit einer attraktiven, oft goldgelben bis rötlichen Laubfärbung. 

Eine besonders empfehlenswerte Sorte für die Fruchtnutzung und kleinere Gärten ist Cornus mas ‘Jolico’. Sie wurde gezielt auf große, aromatische Früchte selektiert. ‘Jolico’ ist zudem frühtragend, ertragreich und wächst breitbuschig mit einer kompakten Krone.

Wer einen außergewöhnlichen, insektenfreundlichen Kleinbaum mit spätsommerlichem Blütenschmuck sucht, sollte Tetradium daniellii, auch bekannt als Bienenbaum oder Honigesche, in Betracht ziehen. Dieser selten gepflanzte Solitär begeistert mit üppigen, weißen Blütendolden im Juli und August – zu einer Zeit, in der viele Gehölze bereits verblüht sind. Seine Blüten gelten als Magnet für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber. Er wirkt durch seine großen, gefiederten Blättern sowie mit seinem dekorativen Fruchtständen im Herbst leicht exotisch. Der Baum bevorzugt warme, sonnige Standorte, ist erstaunlich hitze- und trockenheitsverträglich und gut windfest, sofern er sich ausreichend etablieren konnte. In Norddeutschland gedeiht er gut, solange er als kleiner Baum in exponierten Lagen anfangs etwas Schutz erhält.

Worauf sollte ich bei der Auswahl windfester Solitäre achten?

Bei der Auswahl windfester Gehölze helfen einige grundlegende Merkmale, um robuste Pflanzen für windexponierte Lagen zu finden. Besonders geeignet sind Arten mit kleinen, festen oder ledrigen Blättern, da sie dem Wind weniger Angriffsfläche bieten. Auch Gehölze mit elastischen Zweigen und einem tiefreichenden oder breit verzweigten Wurzelsystem sind in windreichen Regionen im Vorteil, da sie weniger bruch- oder sturzgefährdet sind. Eine lockere, durchlässige Krone reduziert zusätzlich die Windlast. In sehr offenen oder küstennahen Lagen ist es oft sinnvoll, zunächst mit jungen, noch nicht zu stark belaubten Gehölzen zu pflanzen. Diese passen sich besser an den Standort an, entwickeln ihr Wurzelsystem stabil im Boden und lassen sich bei Bedarf einfacher durch Stützen sichern. Vorsicht ist hingegen bei großkronigen, immergrünen Gehölzen geboten – besonders in nassen Böden: Ihre dichte, ganzjährig belaubte Krone wirkt wie ein Segel und kann bei Sturm zur Gefahr werden, insbesondere wenn die Verankerung im Boden noch schwach ist.