Das Licht unter dem Eis – ein Moment des Friedens

Der Frost kam über Nacht.
Ganz leise, vom Meer her. Kein Schnee, kein Sturm – nur dieser Hauch aus kalter, salziger Luft, der den Garten mit einem dünnen Schleier aus Weiß überzog.

Als ich am Morgen hinaustrat, lag die Luft still über den Beeten.
Nur das ferne Rauschen der Wellen war zu hören – gedämpft, wie ein Atem im Schlaf.
Die Gräser neigten sich leicht, als wollten sie lauschen, was das Meer zu erzählen hatte.

Ich ging auf dem Rasenweg, der zum Gewächshaus führte.
Der Boden war hart, die Halme überzuckert, und zwischen den matten Farben glitzerten winzige Kristalle im ersten Licht.
Über dem Wasser zog ein heller Streifen am Horizont – das Meer und der Himmel berührten sich kaum.

Vor der Tür hing noch der Kranz vom letzten Jahr.
Ein wenig verwittert, von Salz und Wind gegerbt, aber noch voller Form.
Ich öffnete die Tür, und ein Duft nach Erde stieg mir entgegen – warm, dunkel, vertraut.

Auf dem alten Tisch stand ein kleines Windlicht, vergessen seit dem Sommer.
Ich zündete es an.
Die Flamme flackerte kurz, dann stand sie ruhig, als hätte sie gewusst, dass sie hierhergehört.

Ich setzte mich auf einen der Holzstühle mitten im Glashaus.
Draußen stand der Garten wie eingefroren – die Stauden mit Reif überzogen, die Beeren vom Pfaffenhütchen leuchtend rosa, die Gräser still.
Und doch war da Bewegung, Leben – im Atem des Meeres, im Licht, das sich über alles legte.

Ich dachte an den Sommer, an das ferne Rauschen des Meeres, das durch die offenen Türen kam.
Jetzt war alles still, und gerade diese Stille war schön.
Der Garten schien zu schlafen – aber er träumte.

Ich blieb, bis das Licht heller wurde und die Flamme der Kerze fast unsichtbar.
Dann schloss ich die Tür des Gewächshauses und sah, wie sich im Glas der Himmel spiegelte – grau, klar, weit.

Vielleicht ist das der Advent hier am Meer:
Ein Warten, das nicht laut ist.
Ein Wissen, dass unter Frost und Salz das Leben schon wieder bereitliegt – still, geduldig, voller Kraft.

Hier, im Garten, scheint die Welt friedlich.
Nur Ebbe und Flut bewegen das Meer, die Luft ruht, das Licht wandert über die Scheiben.
Und doch weiß ich: Nicht überall ist es so still.
Während ich diese Ruhe atme, gibt es Orte, an denen Menschen zittern, fliehen, hoffen.
Es ist ein Gedanke, der bleibt – leise, aber beharrlich.

Vielleicht ist das, was wir tun können, ganz klein:
Ein Licht anzünden, ein Wort der Wärme teilen, bewusst Frieden denken.
Nicht groß, nicht laut – so leise wie eine Flamme im Wind.