GARTEN-(T)RÄUME

In Gesprächen über Gartengestaltung geht es oft sehr schnell um Pflanzen.
Welche Stauden, welche Gehölze, welche Gräser. Farben, Blütenzeiten, Lieblingspflanzen.

Ich plane Gärten nicht als Ansammlung schöner Pflanzen, sondern als Orte mit unterschiedlichen Qualitäten.
Ein Garten ist kein Bild, das man auf einmal erfasst – er ist ein Raum bzw. besteht aus Räumen, die man betritt, durchschreitet, verlässt und immer wieder neu erlebt.

Wie in der Architektur entsteht auch im Garten Atmosphäre nicht zufällig. Sie ergibt sich aus Proportionen, Übergängen, Blickbeziehungen und der bewussten Frage:
Wo halte ich mich gern auf – und wo gehe ich weiter?


Räume statt Flächen

Viele Gärten werden als zusammenhängende Fläche gedacht. Doch erst die Gliederung macht sie lebendig und spannend.
Ein geschützter Sitzplatz wirkt nur dann, wenn es auch Offenheit gibt. Eine Weite entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie von Begrenzung gerahmt wird.

Gartenräume entstehen durch Gegensätze:

  • Offenheit und Schutz
  • Nähe und Distanz
  • Bewegung und Ruhe

Nicht die Größe ist entscheidend, sondern die Abfolge der Erlebnisse.


Wie Gartenräume entstehen

Räume lassen sich auf unterschiedliche Weise formen – manchmal sichtbar, manchmal fast beiläufig:

  • Mauern, Stufen und Höhenunterschiede schaffen klare Raumkanten und Halt.
  • Objekte wie Hochbeete oder Sitzmauern können als Raumteiler wirken, ohne abzuschotten.
  • Wege und Linien lenken Bewegung und Blick, sie verbinden und trennen zugleich.
  • Pflanzen übernehmen dabei eine zentrale Rolle.

Pflanzen als Raumkörper

Pflanzen sind mehr als Füllmaterial. Sie bilden Räume.
Ein Pflanzentor markiert den Übergang, eine „grüne Zunge“ führt von einem Raum in den nächsten.

Hecken werden zu Wänden, Gräser zu Wegbegleitern, Solitäre zu Orientierungspunkten. Sehr schön sind auch Spaliere als Begrenzungen.

Gerade diese weicheren, lebendigen Raumgrenzen machen den Garten besonders: Sie verändern sich mit den Jahreszeiten, lassen Licht durch oder schließen sich – ganz ohne harte Trennung.


Bewegung und Blick

Wege durch Wiesen

Nicht alles muss sofort sichtbar sein.
Ein guter Garten zeigt sich nach und nach. Ein Weg verschwindet hinter einer Pflanzung, ein Durchgang öffnet einen neuen Raum, eine leichte Biegung verändert die Perspektive.

So entsteht Spannung – und Ruhe zugleich.


Ein Garten darf sich verändern

Weil ich Räume plane und nicht nur Pflanzlisten, bleibt ein Garten beweglich.
Er kann wachsen, altern, sich anpassen – ohne seine Grundidee zu verlieren.

Das ist besonders wichtig in lebendigen Systemen wie Gärten, in denen Wind, Klima, Boden und Zeit immer mitgestalten.

Ein gut gestalteter Garten funktioniert auch dann, wenn sich Pflanzen verändern.

Welche Räume wünscht Ihr Euch in Eurem Garten – heute und in ein paar Jahren?


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