
Jede Gartenplanung beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Nicht mit der Frage, was entfernt werden muss, sondern mit der Frage, was es wert ist, erhalten zu werden.
Bei diesem Garten war schnell klar, dass die vorhandenen Gehölze den Charakter des Grundstücks prägen. Viele Rhododendren, Sträucher und Bäume hatten über viele Jahre Größe und Ausdruck entwickelt. Sie sollten deshalb nicht einfach verschwinden, sondern Teil einer neuen Gartengeschichte werden.
Der Entwurf entstand aus dem Bestand heraus. Große Gehölze wurden bewusst in die Planung integriert und an neue Standorte versetzt – für mich als Planerin ein planerischer Balanceakt, für den ausführenden Gartenbauer ein logistischer Kraftakt, für den Garten jedoch ein entscheidender Schritt. So konnten gewachsene Pflanzen erhalten und gleichzeitig völlig neue Räume geschaffen werden.
Das Ziel der Planung war es, dem Garten mehr Struktur, mehr Tiefe und eine klarere Führung zu geben. Neue Formhecken, ein großer Torbogen in einen anderen Gartenteil und neu angelegte Pflanzflächen gliedern heute den Garten, ohne ihm seinen bisherigen Charakter zu nehmen. Der Blick wird geführt, Räume entstehen, und der Garten erschließt sich nach und nach.
Wie sich diese Überlegungen in den einzelnen Gartenbereichen umgesetzt haben, zeigen die folgenden Vorher-Nachher-Bilder.
Neue Räume statt einer grünen Kulisse
Die Ausgangssituation an dieser Stelle war von einer langen, gewachsenen Pflanzung aus Rhododendren und Gehölzen geprägt. Sie bot zwar einen guten Sichtschutz, wirkte jedoch wie eine geschlossene grüne Wand, die ausserdem den dahinter liegenden Gartenteil verdeckte. Der Blick endete am Beetrand, räumliche Tiefe entstand kaum.


Im Zuge der Neugestaltung wurde dieser Bereich vollständig neu gegliedert. Ein Großteil der vorhandenen Gehölze konnte erhalten und an anderer Stelle im Garten wiederverwendet werden.

An ihre Stelle wurden im Winter eine bereits ausgewachsene Rotbuchen (Fagus sylvatica)-Hecke und ein großer Buchenbogen gepflanzt. Sie bilden heute das neue Rückgrat des Gartens. Das Tor ist dabei weit mehr als ein gestalterisches Detail: Es lenkt den Blick gezielt in den tiefer liegenden zweiten Gartenteil und weckt die Neugier, den Garten weiter zu entdecken.


Die neue Bepflanzung aus Gräsern, Stauden und Blütengehölzen wird in den kommenden Jahren an Volumen gewinnen und den formalen Rahmen zunehmend mit einer lockeren, natürlichen Pflanzung verbinden. Schon jetzt ist die neue Raumstruktur deutlich erkennbar.
Dasselbe Gestaltungselement – eine völlig andere Wirkung
Vom unteren Gartenteil wird deutlich, welche Bedeutung die neue Rotbuchenhecke für die gesamte Raumwirkung hat. Während sie von oben den Blick gezielt lenkt, bildet sie von unten den ruhigen Abschluss des oberen Gartenraums.

Besonders gut ist auf dem zweiten Bild – unmittelbar nach der Pflanzung – zu erkennen, welch enorme Wirkung bereits eine fertige Hecke entfaltet. Obwohl die übrige Bepflanzung erst am Anfang steht, ist die neue Raumkante sofort vorhanden. Der Garten erhält Struktur und einen klar definierten oberen Abschluss.


Nur wenige Monate später beginnt die Pflanzung bereits, den Hang zu erobern. Gräser und Stauden lockern die Böschung auf und werden in den kommenden Jahren den Übergang zwischen Gabionenwand, Hang und Hecke immer weicher gestalten. So entsteht Schritt für Schritt ein harmonisches Gesamtbild, bei dem die Hecke als ruhiger Hintergrund wirkt, ohne selbst in den Vordergrund zu treten.


Die Hangkante gestalten statt verstecken
Ein steiler Hang ist häufig eine gestalterische Herausforderung. Hier sollte er nicht mehr nur den Abschluss des Grundstücks bilden, sondern als eigenständiger Gartenraum wahrgenommen werden.
Die vorhandenen Großgehölze blieben erhalten und geben dem Garten weiterhin seinen charakteristischen Rahmen. Die in die Jahre gekommenen Rhododendren wurden dagegen ausgelichtet, aufgeastet, teilweise versetzt und neu gruppiert. Dadurch entstanden Blickachsen und Platz für eine differenzierte Bepflanzung.


Die bestehende Natursteinmauer wurde bewusst in die Gestaltung einbezogen und mit einer lockeren Pflanzung aus lichtgebenden weißen Hortensien, Funkien, Gräsern, Allium und Lavendel ergänzt. Die Stauden greifen die geschwungene Linienführung des Rasens auf und verbinden die verschiedenen Ebenen des Gartens miteinander. Gleichzeitig lockern sie die massive Wirkung der Mauer auf.

Obwohl die Pflanzung noch jung ist, wird bereits sichtbar, wie sich die einzelnen Ebenen künftig ergänzen werden: oben die alten Eichen und Rhododendren als ruhiger Hintergrund, dazwischen die weiß-blühenden Hortensien und darunter ein Band aus Stauden und Gräsern. Mit jedem Jahr wird dieser Bereich an Fülle gewinnen und die Hangkante immer stärker zu einem prägenden Gestaltungselement des Gartens machen.
Einen neuen Gartenraum schaffen
Im Ausgangszustand führte der Blick ungehindert über die gesamte Rasenfläche. Dem Garten fehlte ein räumlicher Übergang im unmittelbaren Umfeld des Hauses.
Mit der Pflanzung zweier Dachplatanen entstand ein neuer Gartenraum zwischen Terrasse und Rasenfläche. Ihre waagerechten Kronen bilden ein grünes Dach, das den Übergang vom Haus in den Garten definiert, ohne den Blick in die Tiefe zu versperren. Der Raum erhält dadurch Maßstab und Geborgenheit.


Die geschwungene Rasenfläche bleibt das verbindende Element. Begleitende Gräser und Hortensien greifen die Linienführung auf und lassen die Pflanzung weich in die bestehende Gartenstruktur übergehen. Die bereits vorhandenen Großbäume bilden weiterhin die Kulisse, während die neuen Gehölze und Stauden den Vordergrund gestalten.
Der Blick in die entgegengesetzte Richtung zeigt den Abschluss dieses Gartenbereichs. Abgetrennt davon ist die Auffahrt kaum zu erkennen.

Einen dunklen Bereich zum Leuchten bringen
Der Bereich entlang der Auffahrt wirkte durch den dichten Gehölzbestand dunkel und wenig einladend. Ziel der Planung war es, diesen schattigen Gartenraum aufzuhellen, ohne seinen waldartigen Charakter zu verlieren.
Dafür wurden vorhandene Gehölze gezielt versetzt und die bereits an anderer Stelle vorhandene rosafarbene Annabelle-Hortensie hierhin versetzt, an dem sie ihre Wirkung deutlich besser entfalten kann. Ergänzt wird sie durch Astilben, Wald-Geißbart, großblättrige Funkien und das goldgelb leuchtende Japan-Waldgras Hakonechloa macra ‚Aureola‘. Dunkelgrüne Eiben-Halbkugeln geben der lockeren Pflanzung ganzjährig Struktur und Ruhe.
Anstelle einer überwiegend grünen Gehölzfläche entsteht so ein lichter Schattenbereich, der von unterschiedlichen Blattstrukturen, hellen Blüten und feinen Farbnuancen lebt. Gerade im Halbschatten zeigt sich, dass ein Garten nicht nur durch Blüten, sondern vor allem durch das Zusammenspiel von Form, Textur und Licht Atmosphäre gewinnt.


Noch befindet sich der Garten am Anfang seiner Entwicklung. Die Gehölze und Stauden werden in den kommenden Jahren zusammenwachsen, sich miteinander verweben und die geplanten Strukturen immer deutlicher herausarbeiten. Bereits im zeitigen Frühjahr werden tausende Zwiebelblüher den Garten aus dem Winterschlaf holen und den Gehölzen noch vor dem Laubaustrieb Farbe verleihen. Mit jeder Jahreszeit wird ein anderer Aspekt des Gartens in den Vordergrund treten – vom ersten Frühling über die üppige Sommerblüte bis hin zur Herbstfärbung der Gehölze. Gute Gartenplanung zeigt ihre ganze Qualität nicht am Tag der Fertigstellung, sondern mit jedem Jahr, in dem ein Garten reift und an Charakter gewinnt.

