STORMY HEROES – SILVER REBELS

Schon längst überfällig möchte ich mal wieder einen „Stormy Heroes“-Blog schreiben. Wind gehört hier im Norden zum Garten. Mal als leichte Brise, mal als kräftiger Westwind und manchmal so, dass man am nächsten Morgen lieber nicht gleich aus dem Fenster in den Garten schauen möchte.

Bei „meinen“ Stormy Heroes steht natürlich ihre Widerstandsfähigkeit im Vordergrund. Diesmal kommt aber noch etwas dazu: Silber, Grau und Blaugrün. Eine besondere Farbwelt, die vor allem über das Laub entsteht und für mich zu den spannendsten Gestaltungsmitteln im Garten gehört.

Denn Blüten sind vergänglich. Sie erscheinen für einige Wochen und verschwinden wieder. Das Laub dagegen gestaltet einen Garten über Monate. Farbe, Form und Struktur der Blätter sind deshalb für eine Pflanzplanung mindestens genauso wichtig wie die Blüte.

Silber ist dabei eine besondere Farbe. Die folgenden Bilder (einfach durch die Fotos scrollen) zeigen, dass Silber – je nach Pflanze – fast weiß wirkt, weich und wollig, kühl metallisch oder blau bereift. Es bringt Licht in eine Pflanzung, schafft Ruhe zwischen kräftigen Farben und wirkt gleichzeitig modern und klar.

Dass ausgerechnet viele robuste Pflanzen silbriges oder graues Laub besitzen, ist kein Zufall. Feine Härchen, Wachsschichten oder besondere Blattoberflächen können Sonnenlicht reflektieren und die Verdunstung reduzieren. Silber ist deshalb bei vielen Arten ein Hinweis auf eine Anpassung an Sonne und Trockenheit – aber nicht automatisch ein Zeichen für Windfestigkeit. Dafür müssen auch Wuchsform, Elastizität und Standort stimmen.

Meine folgenden Favoriten haben sich an windigen Standorten bewährt – und bringen gleichzeitig eine ganz besondere Blattfarbe in den Garten.

Perovskia atriplicifolia – Blauraute

Noch bevor die blauvioletten Blüten erscheinen, ist es das fein gegliederte, graugrüne Laub, das diesen Halbstrauch interessant macht. Es wirkt leicht und transparent und verbindet sich hervorragend mit Gräsern und anderen trockenheitsverträglichen Stauden. Die Blauraute blüht nach dem Lavendel bis spät in den Herbst hinein. Sie liebt Sonne, ist trockenresistent und windfest. Entgegen einiger kritischer Stimmen habe ich auch bei älteren Pflanzen sehr gute Erfahrungen in punkto Frostfestigkeit gemacht, vorausgesetzt der Boden ist durchlässig, denn stehendes Wasser mag sie nicht.

Stachys byzantina – Woll-Ziest

Hier wird Silber fast weiß. Die dicht behaarten Blätter sind weich, matt und samtig und bilden einen wunderbaren Kontrast zu feinen Gräsern oder dunklem Grün. Eine Pflanze, deren Wirkung eigentlich kaum eine Blüte benötigt. Auch in puren Sandbeeten fühlt sie sich sehr wohl und bringt als Bodendecker Ruhe in Beete. Sehr spannend finde ich eine Kombi mit schwarz- oder rotlaubigen Pflanzen.

Santolina chamaecyparissus – Heiligenkraut

Das fein strukturierte, silbergraue Laub bildet kompakte, ruhige Polster. Besonders gern kombiniere ich das Heiligenkraut mit Lavendel: Nicht nur wegen seiner violetten Blüte, sondern auch wegen des Zusammenspiels der unterschiedlichen graugrünen Blattstrukturen. Der immer“graue“ Halbstrauch sich auch im Winter als gute Strukturpflanze, duftet aromatisch und sieht auch toll aus als Beeteinfassung.

Eryngium giganteum – Elfenbeindistel

Ein ganz anderes Silber: härter, kühler und beinahe metallisch. Die markante Struktur bringt etwas Grafisches in die Pflanzung und bildet einen spannenden Gegensatz zu weichen Gräsern und bewegten Stauden. Die Elfenbeindistel liebt sonnige, offenen Standorte und durchlässige, eher trockene Böden und kommt mit Wind gut zurecht. Sie ist zweijährig bis kurzlebig, erhält sich an passenden Standorten aber gern durch Selbstaussaat. Und ein Insektenmagnet ist sie ausserdem!

Antennaria dioica – Katzenpfötchen

Niedrig, silbergrau und zurückhaltend. Als flächiger Teppich bringt das Katzenpfötchen Ruhe in sonnige, trockene Bereiche. Besonders schön finde ich die Kombination mit blaugrünen Schwingeln wie Festuca cinerea oder Festuca ovina‚Eisvogel‘: ähnliche Farbtöne, völlig unterschiedliche Blatt- und Wuchsformen. Die Blüte der Sorte ‚Rotes Wunder‘ ist im Frühjahr zudem ein tolles Highlight.

Panicum virgatum – Rutenhirse

Silber muss nicht wirklich silbern sein. Das kühle Blaugrün der Rutenhirse erzeugt aus der Entfernung eine ähnliche Wirkung. Die schmalen aber standfesten Blätter bilden eine große, transparente Struktur, die sich mit dem Wind bewegt – hier wird aus Blattfarbe, Licht und Bewegung ein ganzes Gartenbild. Ab dem Spätsommer bekommt dieses schöne Gras eine tolle Herbstfärbung.

Miscanthus sinensis ‘Silberspinne’ – Chinaschilf

Das Chinaschilf ‚Silberspinne‘ ist ein stattlicher Stormy Hero, der gerade durch Wind seine besondere Wirkung entfaltet. Das schmale, bogig überhängende Laub bildet dichte, aufrechte Horste und bewegt sich auch bei kräftigerem Wind, ohne seine gesamte Form zu verlieren. Nur in sehr warmen Jahren erscheinen ab Spätsommer die zunächst leicht rötlichen, später silbrig aufhellenden Blütenrispen. Im Gegenlicht bekommt die ganze Pflanze einen fast metallischen Schimmer. Meine Lieblingskombi sind das Chinaschilf zusammen mit Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm‘ – Wasserdost – oder/und mit Filipendula rubra – Rosa Mädesüß.

Festuca – Blauschwingel

Beim Blauschwingel zeigt sich die silberne Farbwelt in einem kühlen Blaugrün. Die feinen, fast nadelartigen Blätter bilden kompakte Horste und setzen damit einen schönen Kontrast zu großblättrigen oder weich wachsenden Stauden. Besonders gern kombiniere ich Festuca cinerea oder Festuca ovina ‘Eisvogel’ mit flächigen Silberlaubpflanzen wie Antennaria dioica. Ähnliche Farbtöne, aber völlig unterschiedliche Strukturen sorgen für Spannung.

Auch als Stormy Hero überzeugt mich Festuca: Der niedrige, kompakte Wuchs bietet dem Wind wenig Angriffsfläche. Gleichzeitig kommen die Gräser mit Sonne, Trockenheit und mageren Böden gut zurecht. Entscheidend ist ein durchlässiger Standort – insbesondere winterliche Staunässe vertragen sie nicht. So bleibt das charakteristische Blaugrün lange erhalten und bringt auch außerhalb der Blüte Farbe und Struktur in die Pflanzung.

Iris barbata – Bart-Iris

Nicht nur die Blüten machen die Bart-Iris interessant. Ihr schwertförmiges, graugrünes bis blaugrünes Laub setzt klare, fast grafische Akzente und bleibt weit über die Blüte hinaus gestalterisch wirksam. An sonnigen, trockenen und gut durchlässigen Standorten zeigt sie sich zudem erstaunlich robust gegenüber Wind.

Silber kann auch Schatten

Die Farbidee lässt sich auch in geschütztere oder schattigere Gartenbereiche weitertragen. Brunnera macrophylla ‚Jack Frost‘ sowie blau- und graulaubige Hosta-Sortenbringen Silber, Grau und Blaugrün an ganz andere Standorte.

Brunnera macrophylla ‘Jack Frost’ – Kaukasus-Vergissmeinnicht

Ein Silver Rebel für die geschützteren Bereiche: Die großen, silbrig gezeichneten Blätter von ‘Jack Frost’ bringen Licht in halbschattige Gartenpartien und bilden einen wunderbaren Kontrast zu dunklem Grün. Anders als viele meiner Stormy Heroes liebt Brunnera einen frischen, humosen Boden und sollte nicht zu trocken und exponiert stehen.

Hosta – Funkien in Blau und Grau

Einige Hosta-Sorten besitzen grau- bis blaugrünes, leicht bereiftes Laub, beispielsweise Hosta ‘Blue Cadet’. Ihre eher kleinen, festen Blätter sind weniger empfindlich gegenüber Wind und werden erfahrungsgemäß auch von Schnecken weniger stark heimgesucht als viele großblättrige, weichlaubige Sorten. Die wachsartige Bereifung sorgt zusätzlich für den charakteristischen bläulichen Schimmer. Am wohlsten fühlt sich ‘Blue Cadet’ halbschattig bis schattig auf frischem, humosem Boden.

Blätter bleiben

Vielleicht ist das überhaupt der entscheidende Punkt: Bei der Pflanzenwahl schauen wir häufig zuerst auf die Blüte. Dabei prägt das Laub einen Garten wesentlich länger.

Silberne, graue und blaugrüne Blätter können Pflanzungen beruhigen, Kontraste schaffen, Licht einfangen und sehr unterschiedliche Gartenbereiche gestalterisch miteinander verbinden.

Und wenn diese Pflanzen dann auch noch Wind und Trockenheit aushalten, werden aus schönen Pflanzen für mich echte Stormy Heroes.


Eine kleine Zusammenfassung der „Heroes“ mit Angaben zum idealen Standort findet Ihr hier:

PflanzeStandort
Antennaria dioica – KatzenpfötchenSonne · trocken · magerer, sandiger bis steiniger Boden
Brunnera macrophylla ‘Jack Frost’ – Kaukasus-VergissmeinnichtHalbschatten bis Schatten · frisch bis feucht · humoser, nährstoffreicher Boden
Eryngium giganteum – ElfenbeindistelSonne · trocken bis frisch · durchlässiger Boden · keine dauerhafte Winternässe
Festuca cinerea / glauca – BlauschwingelSonne · trocken · magerer, sehr gut durchlässiger Boden
Festuca ovina ‘Eisvogel’ – Schaf-SchwingelSonne · trocken · magerer, sandiger bis steiniger Boden
Iris Barbata – Bart-Iris (verschiedene Sorten)Sonne · eher trocken · durchlässiger Boden
Miscanthus sinensis ‘Silberspinne’ – ChinaschilfSonne · frisch bis mäßig trocken · nährstoffreicher, durchlässiger Boden
Panicum virgatum – RutenhirseSonne · trocken bis frisch · durchlässiger Boden
Perovskia atriplicifolia – BlaurauteSonne · warm · trocken bis frisch · gut durchlässiger Boden · keine Staunässe
Santolina chamaecyparissus – HeiligenkrautVolle Sonne · warm und trocken · magerer, sandiger oder steiniger, sehr gut drainierter Boden
Stachys byzantina – Woll-ZiestSonne · trocken bis mäßig trocken · durchlässiger, eher magerer Boden