GÄRTEN AUF KNOPFDRUCK

GARTEN × KI | Teil 1: Vom Entwurf zum Bild

KI verändert die Planung. Die Handschrift bleibt.

Hand aufs Herz: Wer von euch hat die KI nicht schon einmal gebeten, den eigenen Garten umzuplanen? Ein Foto hochladen, ein paar Wünsche formulieren – und wenige Augenblicke später steht da ein völlig neuer Garten. Zumindest auf dem Bildschirm.

Seit einiger Zeit begegnen mir solche Visualisierungen auch in meinen Planungsgesprächen. Kunden bringen KI-generierte Bilder ihres eigenen Gartens mit, meist mit den Worten: „So richtig passt es noch nicht – aber vielleicht ist es ja eine Anregung.“

Und genau das sind diese Bilder zunächst: Anregungen. Denn ohne entsprechende Vorgaben kennt die KI weder tatsächliche Maße und Höhen noch Bodenverhältnisse, Wind, Schatten, vorhandene Wurzeln oder Leitungen. Und manche wunderschön dargestellte Pflanze würde an der vorgeschlagenen Stelle vermutlich keine zwei Jahre überleben.

Für meine Planungsgespräche ist es zunächst wichtig zu verstehen, was sich die Kunden für ihren Garten wünschen. Neben einem ausführlichen Fragebogen bitte ich deshalb schon immer um Beispiel-Fotos oder Bildideen. Schließlich soll es ihr Garten werden und nicht meiner. Daran hat KI eigentlich wenig verändert – sie bietet nur eine neue und ziemlich komfortable Möglichkeit, Vorstellungen sichtbar zu machen.

Anders sieht es bei der eigentlichen Planung aus. Aus den Wünschen der Kunden, dem Grundstück, dem vorhandenen Bestand, der Architektur und den Standortbedingungen entsteht ein individuelles Konzept – mit der Handschrift des Garten Designers.

Auch dabei arbeiten wir inzwischen mit KI-generierten Bildern. Nur steht hier nicht die Frage „Wie könnte hier irgendein schöner Garten aussehen?“ am Anfang. Die Visualisierung folgt einer konkreten planerischen Idee: Räume, Proportionen, Blickachsen, Materialien und Pflanzen sind bereits gedacht. Die KI hilft anschließend, diese Idee sichtbar zu machen.

Was KI im Garten Design heute tatsächlich kann, wo ihre Grenzen liegen und was in Zukunft möglich sein könnte, möchte ich in einer kleinen Serie zeigen. Den Anfang machen KI-Fotomontage und 3D-Visualisierung.


◉ VISUALISIERUNG ALS FOTO: Wie könnte der Garten später aussehen?

HEUTE

Fotorealistische Visualisierungen gehören inzwischen zu den Bereichen, in denen KI besonders eindrucksvoll unterstützt. Aus einem Foto des vorhandenen Gartens können in kurzer Zeit völlig neue Gartenbilder entstehen. Materialien lassen sich verändern, Pflanzungen ergänzen oder unterschiedliche Stimmungen ausprobieren.

In meiner Planung setze ich KI deshalb anders ein. Bevor ein neues Bild entsteht, gibt es bereits meine konkrete Vorstellung vom Garten – visualisiert in einem Vorentwurf, den ich mit den Kunden bespreche. Auf dieser Planungsbasis erhält die KI entsprechend genaue Vorgaben – sogenannte Prompts: Was bleibt erhalten? Wo verlaufen Wege und Flächen? Welche Materialien sollen verwendet werden? Welche Gehölze, Stauden oder Gräser sind vorgesehen? Welche Höhen, Formen, Farben und Proportionen sollen entstehen? Und ebenso wichtig: Was darf die KI nicht verändern?

Vorher und KI-Visualisierung: Auf Basis des Bestandsfotos und konkreter planerischer Vorgaben entsteht eine Vorstellung davon, wie der Garten später wirken könnte.

Je genauer diese Vorgaben sind, desto näher kommt die Visualisierung an die tatsächliche Planung heran. KI wird damit nicht zum Entwerfer, sondern zum Werkzeug, das einen bereits gedachten Garten sichtbar macht.

Für die Planung ist das ein großartiges Werkzeug. Ich kann Kunden damit beispielsweise zeigen, wie sich ein Gartenraum durch eine Hecke verändert, welche Wirkung ein Solitärgehölz haben könnte oder wie eine andere Material- und Farbwelt wirkt.

Die Grenzen zeigen sich allerdings ebenfalls schnell: auch bei sehr präzisen Prompts interpretiert die KI noch: Sie verändert Details, Proportionen oder ergänzt Dinge, die gar nicht geplant waren. Außerdem bleibt es im Kern eine zweidimensionale Ansicht. Was hinter der Hecke passiert oder wie derselbe Entwurf von der Terrasse aus wirkt, weiß das Bild nicht automatisch.

ZUKUNFT?

Künftig dürfte es vor allem um mehr Planungstreue gehen. Statt jedes Detail über Prompts zu beschreiben und anschließend zu kontrollieren, könnte die KI direkt auf maßstabsgerechte Planung, Bestandsdaten, definierte Materialien und Pflanzplanung zugreifen und daraus die Visualisierung erzeugen.

Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, die Entwicklung eines Gartens realistisch vorauszusehen: direkt nach der Pflanzung, nach drei, fünf oder zehn Jahren – und zu unterschiedlichen Jahreszeiten.

Dann wäre die KI-Visualisierung nicht nur ein schönes Nachher-Bild, sondern eine immer realistischere Vorschau darauf, wie genau dieser individuell geplante Garten einmal aussehen könnte.


◉ VISUALISIERUNG IN 3D: Wie funktioniert der Entwurf im Raum?

HEUTE

Im Gegensatz zur reinen Fotomontage ist der Ausgangspunkt hier ein räumliches Modell des geplanten Gartens. Haus, Gelände und Höhen, Wege, Mauern, Pflanzflächen und weitere Elemente werden dreidimensional angelegt. Der Entwurf lässt sich dadurch aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten – man kann sich virtuell durch den Garten bewegen und räumliche Beziehungen, Sichtachsen und Proportionen überprüfen.

3D-Planung ist bereits heute möglich und wird zunehmend durch KI unterstützt. Sie kann die Erstellung und Bearbeitung solcher Modelle erleichtern und aus dem räumlichen Entwurf realistische Ansichten erzeugen.

KI Fotomontage und 3D Visualisierung

Für die Planung liegt darin ein wesentlicher Unterschied zur Fotomontage: Ich sehe nicht nur, wie der Garten von einem bestimmten Standpunkt aussehen könnte, sondern kann den geplanten Raum als Ganzes betrachten und überprüfen.

ZUKUNFT?

In Zukunft dürften 3D-Modell und KI noch stärker miteinander verschmelzen. Spannend wird vor allem, wie weit sich die Erstellung eines solchen Modells automatisieren lässt. Bestandsdaten, Aufmaß und Vorentwurf könnten zunehmend direkt in ein präzises räumliches Modell übertragen werden, ohne dass jedes Element einzeln aufgebaut werden muss.

Auch Änderungen könnten einfacher werden: Statt Wege, Geländehöhen, Mauern oder Pflanzflächen selbst im Modell zu bearbeiten, könnte die KI planerische Anweisungen verstehen und entsprechend umsetzen. Der Garten Designer entscheidet – die KI übernimmt zunehmend die technische Umsetzung im Modell.

Unterschiedliche Varianten ließen sich dadurch sehr viel schneller bis hin zu fotorealistischen Ansichten oder virtuellen Rundgängen aufbereiten und mit den Kunden überprüfen.

Für mich als Planerin hieße das vor allem: weniger Aufwand für die technische Umsetzung und mehr Zeit für den eigentlichen Entwurf.


UND WAS BLEIBT FÜR DEN GARTEN DESIGNER?

KI kann heute schon erstaunlich gute Bilder erzeugen – und die Möglichkeiten werden sich rasant weiterentwickeln. Für mich macht sie die eigentliche Planung deshalb aber nicht weniger wichtig. Im Gegenteil: Je besser die Visualisierung wird, desto wichtiger wird die Qualität der Idee dahinter.

Denn ein fotorealistisches Bild ist noch kein guter Garten. Es braucht ein Konzept, das zum Grundstück, zur Architektur und vor allem zu den Menschen passt, die dort leben werden. KI kann mir helfen, dieses Konzept sichtbar zu machen, Varianten schneller zu überprüfen und Gartenräume zunehmend einfacher virtuell erlebbar zu machen.

Die Werkzeuge verändern sich. Die Handschrift bleibt.


NEXT: GARTEN × KI
Kann KI einen Garten wirklich verstehen?
Sonne, Schatten, Wind, Boden und Wasser – im nächsten Teil geht es um den Standort und die Frage, wie KI dabei heute schon unterstützen kann. Und darum, was passiert, wenn die Planung die Bedingungen des Gartens selbst verändert.