KANN KI EINEN GARTEN WIRKLICH VERSTEHEN?

GARTEN × KI | Teil 2: Ein Experiment aus der Praxis

Ein Garten ist kein unveränderlicher Standort. Sonne, Schatten, Wind, Boden und Wasser bestimmen, was dort wachsen kann. Doch mit jeder gestalterischen Entscheidung verändern wir diese Bedingungen. Kann künstliche Intelligenz solche Zusammenhänge erkennen – und bei der Planung sinnvoll unterstützen? Ein Experiment aus meiner eigenen Gartenpraxis an der nordfriesischen Küste.


Ein Garten direkt am Wind

Wer an der nordfriesischen Küste einen Garten gestaltet, muss den Wind mitdenken. Nicht gelegentlich, sondern grundsätzlich.

Für meinen zweiten Beitrag über KI in der Gartengestaltung habe ich einen Garten ausgewählt, den ich besonders gut kenne. Er liegt in unmittelbarer Nähe zur Nordsee, mit weitem Blick über die offene Landschaft. Eine wunderbare Lage – allerdings mit Standortbedingungen, die Pflanzen und Menschen einiges abverlangen.

Der Garten ist nach Süden und Westen weitgehend offen. Die häufigsten starken Winde kommen aus Westen und Südwesten. Viel Sonne, sandiger Boden, schnelle Versickerung und eine Windbelastung, die bei schweren Stürmen bis zur Orkanstärke reichen kann, prägen das Grundstück.

Blick auf einen gepflegten Garten mit grünem Rasen, umgeben von Kieswegen und Bäumen, bei Sonnenuntergang.

Bild: Die ursprüngliche Gartensituation – offen zur Landschaft und dem Westwind ausgesetzt.

Regen fällt in dieser Region durchaus ausreichend. Das bedeutet aber nicht, dass Pflanzen jederzeit genügend Wasser zur Verfügung haben. Sandige Böden speichern wenig Feuchtigkeit, und der beständige Wind verstärkt die Verdunstung.

Die eigentliche Herausforderung bestand deshalb nicht nur darin, einen Garten mit besonders widerstandsfähigen Pflanzen zu füllen.

Ich wollte Gartenräume schaffen, in denen sich die Standortbedingungen verändern – und in denen auch Pflanzen gedeihen können, die der offenen Küstenlage sonst nur schwer standhalten würden.

Was erkennt KI aus einem Gartenfoto?

Für mein Experiment habe ich der KI zunächst die alten Gartenfotos, eine Bauzeichnung, einen Katasterplan mit Himmelsrichtungen und einige Standortinformationen gegeben: viel Sonne, extreme Windbelastung, sandiger Boden, schnelle Versickerung und ausreichend regionale Niederschläge.

Den fertigen Gartenentwurf sollte die KI bei dieser ersten Betrachtung noch nicht berücksichtigen.

Das Ergebnis war durchaus brauchbar. Die KI erkannte die wesentlichen Herausforderungen und stellte einen wichtigen Zusammenhang her: Nicht allein die Niederschlagsmenge entscheidet über die Wasserversorgung der Pflanzen. Auch Bodenbeschaffenheit, Wind und Verdunstung spielen eine Rolle. Sie empfahl, Windschutz nicht ausschließlich an den Grundstücksgrenzen vorzusehen, sondern gezielt innerhalb des Gartens geschützte Bereiche zu schaffen.

Das war ein sinnvoller Ansatz. Und er entsprach tatsächlich einer wesentlichen Überlegung meiner damaligen Planung.

Aber hier beginnt bereits die erste Einschränkung. Die KI konnte die Windbelastung nicht aus den Fotos ermitteln. Sie kannte sie, weil ich ihr diese Information gegeben hatte.

Auch die Beschaffenheit des Bodens, die tatsächlichen Windströmungen zwischen den Gebäuden und die jahreszeitlichen Lichtverhältnisse lassen sich aus wenigen Bildern und Informationen nicht zuverlässig beurteilen.

KI kann vorhandene Informationen miteinander verknüpfen. Sie kann Zusammenhänge erklären und auf mögliche Probleme hinweisen. Doch sie muss zunächst wissen, mit welchen Bedingungen sie es tatsächlich zu tun hat.

Eine Hecke verändert mehr als den Wind

In meiner Planung habe ich mich für kräftige Rotbuchenhecken entschieden. Nicht als durchgehende Einfriedung des Grundstücks, sondern als raumbildende Elemente innerhalb des Gartens.

Die Hecken sollten den Wind bremsen, unterschiedliche Gartenbereiche voneinander abgrenzen und mit bewusst angelegten Durchgängen neue Blickbeziehungen schaffen. Dabei war mir wichtig, dass der Garten seine Offenheit zur Landschaft nicht verliert. Der Blick in die Weite sollte erhalten bleiben, während einzelne Bereiche mehr Schutz bekommen.

Luftaufnahme eines gepflegten Gartens mit einem Kiesweg, Blumenbeeten und einer Rasenfläche. Im Hintergrund ist ein Holzschuppen sichtbar.

Bild: Die Rotbuchenhecke kurz nach der Pflanzung unten links im Bild.

Die häufigsten starken Winde treffen das Grundstück aus Westen und Südwesten. Südwestlich des geschützten Gartenbereichs steht zudem das Nachbarhaus. Es beeinflusst die örtlichen Windverhältnisse und verschattet einen Teil des zukünftigen Sitzplatzes.

Ein Gebäude kann Wind abhalten, aber auch umlenken (z. B. am Gebäude selbst) oder an bestimmten Stellen beschleunigen. Wie genau sich die Luft zwischen den Gebäuden bewegt, lässt sich aus einem Lageplan und einigen Fotos allein nicht zuverlässig bestimmen.

Warum ausgerechnet Rotbuche?

Die Rotbuchenhecken wurden deshalb gezielt eingesetzt, um innerhalb dieser komplexen Ausgangssituation geschützte Gartenräume zu schaffen.

Ein besonderer gestalterischer Vorteil: Geschnittene Rotbuchenhecken behalten häufig einen großen Teil ihres trockenen, kupferbraunen Laubes bis ins Frühjahr. Sie bilden damit auch außerhalb der Vegetationszeit deutlich erkennbare Gartenräume.

Ein Garten mit verschiedenen Pflanzen, darunter rote Hecken, Gräser und Sträucher, die im warmen Licht des Sonnenuntergangs erstrahlen.
Kupferbraune Hecken und Gräser im warmen Winterlicht.

Kann KI die Folgen einer Gestaltung vorhersehen?

Im zweiten Schritt meines Experiments habe ich der KI den Entwurfsplan gezeigt und sie gefragt, welche Veränderungen durch die neuen Hecken und Gehölze zu erwarten wären. Die Analyse ging nun über eine reine Beschreibung des ursprünglichen Standorts hinaus.

Die KI leitete ab, dass die Hecken in Teilbereichen die Windgeschwindigkeit reduzieren können. Dadurch könnten sich die Bedingungen für empfindlichere Pflanzen verbessern, insbesondere weil die windbedingte Verdunstung abnimmt.

Eine Gartenplanung mit verschiedenen Bereichen, darunter eine Grillstelle, Blumenbeete, Wasserspiele und Sitzgelegenheiten, umgeben von Bäumen und Sträuchern.

Bild: Mein damaliger Entwurfsplan mit den Rotbuchenhecken, den Durchgängen und der neuen Gliederung des Gartens.

Sie wies aber auch auf mögliche neue Herausforderungen hin: Durchgänge können Windströmungen beeinflussen, Gehölze schaffen mit zunehmendem Wachstum Schatten, und ihre Wurzeln konkurrieren mit benachbarten Pflanzen um Wasser und Nährstoffe.

Allerdings konnte die KI weder die konkrete Windreduktion berechnen noch zuverlässig bestimmen, welche Bereiche bei unterschiedlichen Windrichtungen besonders geschützt sein würden.

Das Ergebnis ist also eine plausible Einschätzung – keine technische Simulation.

Und wie sieht es heute aus?

Inzwischen sind die Rotbuchenhecken zu kräftigen, raumbildenden Elementen herangewachsen.

Wo der Wind früher nahezu ungehindert durch den Garten zog, sind geschützte Bereiche entstanden. Die Pflanzen am Sitzplatz entwickeln sich ungestört. Aus einer offenen Fläche wurden unterschiedliche Gartenräume mit jeweils eigenen Bedingungen. Im Frühjahr bildet ihr braunes Laub einen warmen Hintergrund für Schneeglöckchen und die gelben Blüten der Zaubernuss. Im Winter fangen die kupferfarbenen Blätter das tiefe Sonnenlicht ein. Und die Durchgänge zwischen den Hecken machen neugierig auf die Gartenräume dahinter.

Galerie: Verschiedene Blickwinkel

Interessant ist allerdings, dass der besonders geschützte Sitzplatz zugleich im Schatten des Nachbargebäudes liegt.Das ist eine wichtige Unterscheidung: Die Hecke verändert vor allem die Windverhältnisse. Der Schatten wird wesentlich durch das Gebäude bestimmt.

Beides zusammen schafft einen Standort, an dem heute unter anderem Funkien und Farne üppig wachsen.

Ein stilvoller Gartenbereich mit einem Holztisch und Stühlen. Im Hintergrund sind verschiedene Pflanzen in modernen Pflanzkästen angeordnet, vor einer Backsteinmauer.

Bild: Der geschützte Sitzplatz mit seinen bepflanzten Hochbeeten.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie verschiedene Standortfaktoren ineinandergreifen. Eine Pflanze braucht nicht einfach nur „Schatten“ oder „ausreichend Wasser“. Sie reagiert auf das Zusammenspiel von Licht, Temperatur, Wind, Boden und Feuchtigkeit.

Was hat die KI verstanden – und was nicht?

Die KI hat die wesentlichen Standortbedingungen richtig eingeordnet und sinnvolle Vorschläge zur Verbesserung des Mikroklimas gemacht. Auch die Auswirkungen der geplanten Hecken konnte sie grundsätzlich nachvollziehen.

Was sie (noch) nicht konnte: die tatsächlichen Windverhältnisse beurteilen oder vorhersagen, wie sich der Garten über die Jahre entwickeln würde.

Mein Fazit: KI kann bei der Standortanalyse unterstützen, Zusammenhänge aufzeigen und planerische Entscheidungen hinterfragen. Sie ersetzt aber weder die Erfahrung vor Ort noch das gestalterische Urteil.

Eine Luftaufnahme eines Gartens mit bunten Sträuchern, Bäumen und einem Steingarten. In der Mitte steht ein Tisch mit Stühlen, umgeben von Pflanzen in verschiedenen Farben.
Aus Windschutz wurde Gartenraum.

Denn Gartenplanung bedeutet nicht nur, vorhandene Standortbedingungen zu berücksichtigen. Wir verändern diese Bedingungen durch unsere Gestaltung selbst.

Ob eine Entscheidung tatsächlich funktioniert, zeigt sich oft erst Jahre später. In diesem Garten haben die Rotbuchenhecken genau das erreicht, was ich mir von ihnen erhofft hatte: Sie haben aus einem extrem windexponierten Standort geschützte Gartenräume gemacht.


Text & Fotos © Grit Kaysa · KaysaGärten
Sprachliche Ausarbeitung und KI-Experiment mit Unterstützung von ChatGPT.


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Kann KI vorhersagen, wie sich ein Garten entwickelt?

Wie hoch wird ein Baum in zehn Jahren sein? Wann wachsen Hecken zusammen, wann wird aus Sonne Schatten? Im nächsten Teil geht es um das Höhenwachstum von Gehölzen und die räumliche Entwicklung eines Gartens. Und um die Frage, wie zuverlässig KI diese Veränderungen über fünf, zehn oder zwanzig Jahre vorhersagen kann.